Sonntag, 11. Juli 2010

Grupo Misión Chile, Waka Waka und Abschiedsschmerz

Seit wir Ende April nach Arequipa umgezogen sind, ist schon wieder viel Zeit vergangen und mittlerweile haben wir uns auch in das etwas chaotische Mitarbeiterteam reingefunden, was anfangs echt schwierig war. Die ACJ (CVJM) arbeitet hier seit neun Jahren in einem Armenviertel namens "Horacio Cevallos" in einem Entwicklungsprojekt, das die dort wohnenden Familien durch verschiedene Hilfsmaßnahmen unterstützt. In der "Posta" bieten zwei Ärztinnen und eine Krankenschwester kostenlose Sprechstunden an und eine Psychologin berät Mütter und Kinder, die familiäre oder andere Probleme haben. Im "Tejido" (Strickerei) werden Kurse angeboten, die Müttern und auch Jugendlichen, Stricken (per Hand und Maschine) und andere Formen der Handarbeit beibringen, womit sich viele Frauen später ihren Unterhalt verdienen können. Das gleiche passiert in der Lehrbäckerei, die jetzt seit einiger Zeit auch richtig produziert und ihr Kuchen und ihr Brot in den umliegenden Läden verkauft. Es gibt eine Kindergruppe (ca. 50 Kinder) in der wir an der Seite der Psychologin mitarbeiten und eine Jugendgruppe, die wir eigenständig leiten. Sonst halten wir Andachten bei den Frauen in der Strickerei, passen auf ihre Kleinkinder auf, wenn sie Unterricht haben und jeden Samstag bieten wir einen Deutschkurs für alle aus dem Bezirk an.



Jugenliche der ACJ auf einem Festumzug unseres Stadtbezirks


Außerdem war ich im ersten Monat der Ersatz für den fehlenden Chauffeur und durfte deswegen meine Kolleginnen immer zu Einkäufen ins Stadtzentrum fahren. Das waren so ziemlich die schlimmsten Autofahrten meines Lebens, weil peruanische Autofahrer meistens zu viert nebeneinander auf zwei Spuren fahren, weder rechts-vor-links noch andere Vorfahrtsregeln beachten und es auch nicht für nötig halten einen Blinker zu benutzen. Aber wir haben überlebt und jetzt kann ich ziemlich entspannt wieder dem deutschen Verkehr entgegenblicken:)
Neben dem normalen Programm, kommt hier mindestens einmal pro Monat noch ein Sonderevent dazu, das ganze nennt sich dann "encuentro familiar" (Familientreffen), wo alle Familien aus Horacio in die ACJ kommen und es ein besonderes Programm gibt. Das erste dieser Treffen am Muttertag am 10. Mai war ein voller Erfolg, mit Tanzeinlagen von unseren Kindern und Jugendlichen, Spielen für Mütter und Kinder und eine große Verlosungsaktionen, mit Essenskörben als Preise.



Mamas beim "encuentro familiar" am Muttertag


Im Juni kamen dann 20 Ärzte aus Miami nach Arequipa und besetzen zwei Tage lang das gesamte Lokal der ACJ und behandelten ungefähr 700 Bewohner aus Horacio und Umgebung für einen sehr geringen Geldbetrag. Unser Job bei dieser "Campaña de Salud" war, die Leute die kamen in Listen einzutragen (was sich als unglaubliche Herausforderung entpuppte weil viele von ihnen nicht einmal selber wussten, wie sich ihre Namen schreiben und ein Großteil der Nachnamen ihren Ursprung in Quechua haben, was ungefähr so schwierig zu verstehen ist wie Chinesisch:) und Übersetzer zwischen Ärzten und Patienten zu sein, weil viele der Ärzte nur Englisch gesprochen haben. Also hieß es mein eingerostetes Englisch wieder auszupacken und den ganzen Tag Spanisch-Englisch zu dolmetschen, was mein Gehirn ziemlich gefordert hat :)
Aber auch wenn diese Tage richtig anstrengend waren, war es unglaublich cool mit erleben zu dürfen, wie viele Menschen nach 30 oder 40 Jahren endlich eine Brille bekamen und richtig sehen und lesen konnten, oder andere nach Jahren endlich mal wieder eine Zahnbehandlung bekamen.

Insgesamt macht mir die Arbeit hier richtig Spaß, vor allem weil wir merken, dass wir wirklich gebraucht werden und man uns und unsere Ideen ernst nimmt. Außerdem ist es echt erstaunlich, was das durch das Projekt in den letzten Jahren schon alles bewirkt wurde, im Gegensatz zu vielen Familien in Independencia (Armenviertel in Lima) sind die Menschen hier viel weiterentwickelt. Das merkt man besonders an ihrem sehr viel gepflegteren Aussehen, dem Umgang mit ihren Kindern und auch am Verhalten der Kinder und Jugendlichen innerhalb der Gruppen. Es ist echt beeindruckend zu sehen was man mit so einem vergleichbar kleinen Projekt in einem ganzen Stadtviertel anstellen kann.


Kinder nach ihrem Tanzauftritt

Neben unserer kontinuierlichen Arbeit in Arequipa, hatten wir im Juni dann auch noch die Möglichkeit für 10 Tage als "Grupo Misión" nach Chile zu fahren. Als Team aus vier Peruanern aus der ACJ Lima und vier deutschen Volontären, haben wir dort zwei ACJs in zwei verschiedenen chilenischen Städten (Antofagasta und Iquique) besucht. Die ersten fünf Tage waren wir auf eine Konferenz eingeladen, bei der sich verschiedene ACJs aus Chile, Argentinien und eben Peru getroffen haben um ein Dokument auszuarbeiten, das die Arbeitsgrundlagen der ACJ in Südamerika definiert und was dann nächste Woche auf der CVJM-Weltkonferenz in Hong-Kong vorgestellt wird. Es war richtig cool bei diesem Prozess dabei zu sein und auch nochmal jede Menge Leute aus den verschiedenen Ländern kennenzulernen und zu sehen das der CVJM ein Verein ist, der Leute aus der ganzen Welt zusammenbringt. Die restliche Zeit waren wir dann in den ACJs in Antofagasta und Iquique, haben in verschiedenen Schulen Kinder-und Jugendprogramm gemacht (mit dem Ziel die ACJ in der Stadt bekannt zu machen) und Workshops für die ehrenamtlichen Mitarbeiter angeboten. Alles in allem war es eine richtig bereichernde Erfahrung, gerade in der deutsch-peruanischen Gruppe hatten wir sehr viel Spaß und haben eine Menge voneinander gelernt, mal abgesehen von dem Privileg nochmal ein anderes südamerikanisches Land kennenzulernen.


Grupo Misión Chile

Und jetzt trennen mich nur noch sechs Wochen von dem großen und auch etwas unheimlichen Wort "Rückkehr" nach Deutschland. Und auch wenn ich mich schon freue wieder nachhause zu kommen und wieder Brezeln, Schweinebraten und Feta-käse zu essen;) sehe ich dem ganzen mit ziemlich gemischten Gefühlen entgegen. Peru ist im letzten Jahr zu einem richtigen zweiten Zuhause geworden und es tut schon ganz schön weh, die ganzen Menschen, die zu Familie und Freunden geworden sind, einfach so zurückzulassen. Aber alles hat seine Zeit und ich hoffe in spätestens zwei Jahren wieder in mein schönes Peru zurückkehren zu können, auch wenn es nur für ein paar Wochen zu Besuch ist.

Aber es ist cool diesen Blogeintrag mit einem "Wir sehen uns" abschließen zu können, weil jetzt dauert es wirklich nicht mehr lange, bis ich euch alle endlich mal wieder leibhaftig zu Gesicht bekomme, darauf freue ich mich schon richtig! :)

Bis dahin einen abrazooote und Gottes fetten Segen
eure Sarah

Dienstag, 27. April 2010

Ein neuer Neuanfang

Nach acht Monaten in der lauten, chaotischen und aufregenden Großstadt Lima, sind meine Mitvolontärin Teresa und ich nun letzte Woche ins fast 1000 km südlicher gelegene Arequipa umgezogen. Auch wenn Arequipa mit über einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus ist, zählt sie trotzdem als Provinzstadt, wie eben alles, was nicht Lima ist:) Auch wenn es mir schon ein bisschen schwerfällt mich von meiner "ersten" Heimat zu trennen und all die Menschen hinter mir zu lassen, die mich in den ersten Monaten in Peru begleitet haben, gefällt es mir hier richtig gut, gerade weil die Lebensqualität hier um einiges höher ist. Die Luftverschmutzung ist um einiges geringer und wir haben jeden Tag Sonnenschein (also wirklich, im Durchschnitt gibt es hier um die 300 Sonnentage im Jahr:). Ich muss mich nur erstmal an die Ruhe gewöhnen und daran, dass man fast jeden Abend zuhause ist, die Arequipenos sind dafür verschrien, dass sie alle schon um 22.00 Uhr ins Bett gehen:) Das ist schon nochmal ein erneuter Kulturschock nach den letzten Monaten, die alles andere als ruhig und beschaulich waren.

Nach dem ich im Januar in Lima gearbeitet habe, ging es dann anfang Februar an den CVJM-Strand (Y-Camp), der 115 km südlich von Lima liegt. Dort haben wir 1 1/2 Monate als internationales Team aus Peruanern, Kolumbianern, Deutschen, einem Amerikaner und einem Nigerianer, Kinder-und Jugenfreizeiten organisiert, was so ziemlich die anstrengendste Arbeit war, die ich in meinem Leben gemacht habe. Die Freizeiten dauerten immer drei Tage und in dieser Zeit wurde programmmäßig so ziemlich alles gemacht was ging: Sandburgenwettbewerbe, Teambuilding, Nachtgeländespiele, schlafen in der Wüste und natürlich die obligatorische Fiesta, bei der auch schon die achtjährigen Salsa und Reggaeton tanzten. Als die Kinder dann um 1.00 Uhr endlich im Bett waren, kam noch die nächtliche Mitarbeiterbesprechung, die sich auch gerne nochmal eine Stunde ziehen konnte, weswegen das durchschnittliche Schlafpensum eines Y-Camp-Mitarbeiters bei ungefähr vier Stunden lag. Nach den drei Tagen, nahm der Bus dann einen Haufen totmüder Kinder wieder mit zurück nach Lima, setzte aber zum Leiden der ebefalls totmüden Mitarbeiter auch gleich wieder eine neue Ladung quietschlebendiger Kinder ab etc...


Campamento Hawaian



Trotz der harten Arbeit und der täglichen Herausforderungen bzw. Überforderungen, waren diese 1 1/2 Monate bis jetzt so ziemlich die intensiveste Zeit meines Auslandsjahres. Am Strand habe ich nicht nur gelernt auf Spanisch Improtheater zu spielen oder einfach mal spontan eine Horde von 70 Kindern ohne Spielmaterial eine halbe Stunde lang zu beschäftigen, sondern ich bin auch Schritt für Schritt mutiger geworden, gerade was es angeht alleine Gruppen zu leiten, Spiele zu erklären und auch in den Besprechungen meine eigene Meinung und Ideen einzubringen. Außerdem durfte ich das unglaubliche Privileg erfahren, jeden Tag mit Meeresrauschen aufzuwachen, barfuß durch den Sand zu laufen und mit einer Gruppe buntgemischter Menschen zu arbeiten, die alle durch ihre unterschiedlichen Kulturen, Fähigkeiten und Ideen das Programm bereichtert haben.


Sonnenuntergang in Y-Camp


Nachdem das Sommerprogramm dann zu Ende war, sind wir als Volontärsgemeinschaft zu unserer Zwischenauswertung für eine Woche in den Regenwald (Selva) gefahren. Nach sieben Monate Beton- und Sandwüste, war es fast schon ein Schock so viel grüne Natur um sich herum zu haben:) Aber diese Tage haben uns echt nochmal richtig durchatmen lassen und wir konnten als Gruppe nochmal die erste Hälfte unseres Einsatzes auswerten, bevor es dann darum ging, was so in der nächsten Hälfte auf uns wartet.


La Merced - Selva


Und dann war es auch schon so weit und meine Mama kam mich besuchen:) In meinem dreiwöchigen Urlaub, sind wir dann zu dritt (meine Mama, ihre Freundin Sabine und ich) durch Peru gecheckt und ich konnte endlich mal ein bisschen mehr von dem Land erleben, von den mir immer jeder gesagt hat wie wunderschön es sei. Und jetzt nachdem ich einiges von der großen Vielfalt Perus, sei es die Wüste an der Küste, das Hochland rund um Cuzco oder den Regenwald, kennenlernen durfte kann ich das nur bestätigen. Auch war es richtig cool, dass meine Mama mein Leben hier kennenlernen konnte, ich ihr meine Gastfamilie und meine Freunde vorstellen konnte und wir sogar einen Tag nach Independencia gefahren sind um uns meine Arbeit anzuschauen.


Cuzco


Paracas


Nach meinem Urlaub, blieben mir noch zwei Wochen in Lima um mich von allen zu verabschieden und meine Koffer zu packen für das neue Abenteuer Arequipa.
Und jetzt bin ich hier:) die Arbeit ist noch ein bisschen ungeordnet und wir fühlen uns ein bisschen verloren, weil unser eigentlicher Chef vor kurzem gekündigt hat und gerade keiner so recht weiß, wer jetzt für alles und auch für uns verantwortlich ist. Aber heute haben wir schonmal ein paar von den Kindern und Jugendlichen aus dem Armenviertel kennengelernt in dem wir arbeiten werden und die sind alle richtig cool. Und wir sind zuversichtlich dass sich alles schon noch regeln wird, bis dahin basteln wir mit unseren Kindern Muttertagskarten oder bieten Tanzworkshops an, weil genau dafür sind wir hier :)

Ich hoffe es geht euch allen gut im fernen Deutschland oder sonst wo auf der Welt; tut mir leid dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber wie ihr vielleicht gemerkt habt, ging hier alles ziemlich drunter und drüber. Deswegen bin ich eigentlich auch ganz zufrieden mit meinem neuen Provinzleben, jetzt komme ich auch wieder mal dazu längere Skypegespräche zu führen oder mich um meine Zukunft zu kümmern:) ich freue mich auf jeden Fall über jedes Lebenszeichen eurerseits:)

Bis dahin
alles Liebe und Gottes fetten Segen
un besoote
Sarah

Dienstag, 19. Januar 2010

Der Sommer ist DA!!!:)

Seit ich euch hier das letzte Mal geschrieben hab, hat sich so einiges verändert...Spätestens seitdem ich mir letztes Wochenende am Strand trotz Sonnencreme!!! wohl den schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens geholt habe, ist mir klargeworden, dass wohl der peruanische Sommer doch endlich angekommen ist und der ist etwas intensiever ist als der deutsche:) Die Auswirkungen sind, dass der Ventialtor zum wichtigsten Überlebensinstrument im ganzen Haus wird, dass man alle Hosen die übers Knie gehen gar nicht anziehen braucht wenn man keinen Hitzeschlag kriegen will und dass die Kinder aus dem Ferienprogramm, während wir ihnen eine Geschichte erzählen alle nur lauthals: PISCINA, PISCINA!!! (Schwimmbad, Schwimmbad!!!) schreien:) Der Sommer ist da und mit ihm auch das berüchtigte "Sommerprogramm", vor dem wir schon die ganze Zeit gewarnt wurden, weil das wohl so ziemlich die anstrengendste und arbeitsintensivste Zeit des ganzen Jahres ist. Und das ist wahr!:)
Für mich hat das Sommerprogramm gleich nach Weihnachten angefangen, also am 26.12 weil es hier ja keinen 2. Weihnachtsfeiertag gibt. Da gings dann erstmal für 3 Tage an den Strand, Treppenstufen und andere Dinge streichen, Müll aufsammeln, Fenster putzen und Matratzen beziehen (hierbei hab ich mich sehr an die Bauwoche in Münchsteinach erinnert gefühlt:) und das ganze Gelände sommerfertig zu machen. Weil ich im Februar am Strand arbeite, war ich auch bei der Silvester-Fiesta in Y-Camp dabei, weil bei solchen Sonderveranstaltungen immer der ganze "STAAAFF";) mitarbeitet. Auch wenn wir den Großteil der Zeit hin und hergerannt sind und ich mich auf ner Silvesterparty normalerweise etwas schöner angezogen hätte, als mit unseren überaus hässlichen Uniformen (tagsüber orangenes muscle-shirt und abends rosa Polohemd:) war es eine unglaublich coole Erfahrung, Silvester mal am Strand zu feiern, in Flip-flops und mit Meeresrauschen im Hintergrund:)

Der Y-Camp-Staff bei der Fiesta de Ano nuevo am Strand

Auch Weihnachten war ein ganz besonderes Erlebnis, auch wenn es so ganz anders war als ich es gewohnt bin und es schon seltsam war an diesem Tag nicht bei meiner Familie sein zu können. Aber damit wir nicht vollkommen auf die deutsche Weihnacht verzichten mussten, haben wir Volontäre den Nachmittag bei Gerd und Claudia in Casa Clement gefeiert, mit echtem Stollen und Zimtsternen aus Deutschland;) Dann waren wir im Weihnachtsgottesdienst in der deutschen Gemeinde und haben dann noch auf der Couch gesessen und Weihnachtslieder mit Klavier und Flötenbegleitung geträllert, also richtig Deutsch!;)


Weihnachtsfeier in Casa Clement; nach der Bescherung in unseren
neuen Voli-t-shirts

Mein zweites Weihnachten war dann doch etwas anders, schon allein weil Heilig Abend hier erst um 23.00 oder 24.00 beginnt. Insgesamt haben die Peruaner nicht viel für Besinnlichkeit übrig (ich glaube dass hat einfach was mit dieser Krachkultur zu tun:), aber dafür können sie richtig feiern, was ja manchen Deutschen dann doch etwas schwerer fällt:) da werden dann eher lauthals, klatschend und tanzend die Weihnachtslieder gesungen, um 24.00 gibt es in ganz Lima ein riesiges Feuerwerk und alle Familienmitglieder fallen sich um den Hals und knutschen sich ab (also eher wie Silvester bei uns). Wir waren bei den Eltern meiner Gastmutter und haben mit allen Onkels und Tanten, Cousins und Cousinen (insgesamt 22 Leute) die Weihnachtsnacht (bis 3.00 Uhr morgens) gefeiert.


Benito in unserer Krippe

Weihnachtsfeier mit der ganzen peruanischen Familie

Meine Gastschwester Adriana und ich mit Cousin Manuelito

Seit dem 4.01 arbeite ich jetzt in Lima in verschiedenen Programmen mit: drei Vormittage die Woche bin ich wieder in La Victoria und betreue da Kinder von 2-11 Jahren, was sich immer wieder als ziemliche Herausforderung entpuppt, weil ich gerade mit so kleinen Kindern noch die zuvor gearbeitet habe. Sonst bin ich 2 Abende in der Woche in den beiden Jungendgruppen "Hope" und "Hopeful", die auch eine Band haben, in der ich jetzt auch mitmischen darf:) und noch einen Abend in "Cafe Urbano", ein christliches Jugendprogramm für junge Erwachsene in Pueblo libre. Ab nächster Woche soll dann auch die Arbeit in Independencia wieder anfangen, wo ich dann meine Samstage mit den Jugendlichen verbringen werde. Insgesamt ist es richtig viel Arbeit, weil wir auch unser Programm immer voher noch vorbereiten müssen, wofür wir nochmal ungefähr genauso viel Zeit brauchen, wie für die Gruppen selbst. Aber zum Glück hab ich mich endlich richtig an das Leben hier gewöhnt und kann jetzt aus vollen Energietanks arbeiten und bin nicht die ganze Zeit müde oder hab gesundheitliche Probleme.
Auch gerade die Arbeit in den beiden Jugendgruppen macht mir richtig Spaß, weil ich dadurch jetzt auch viel Kontakt zu Gleichaltrigen habe und dadurch richtig coole peruanische Freunde gefunden habe.


Free hugs bei "Generación Hope" im Innenhof des CVJM

Auch dadurch dass wir Volontäre jetzt an vielen verschiedenen Orten verstreut arbeiten (Laura und Julia sind in Trujillo und Teresa, Steffen und Tobi sind am Strand), haben wir nicht mehr so viel deutschen Kontakt, was einerseits irgendwie hart ist, weil wir in den letzten Monaten richtig wie eine Familie zusammengewachsen sind, andererseits uns auch hilft uns jetzt ganz und gar in die peruanische Kultur zu stürzen:)
Insgesamt bin ich froh, dass ich mich endlich mal mit meinen ganzen Fähigkeiten einbringen kann, weil auch das mit der Sprache immer besser wird und ich mich so auch an viele neue Sachen ranwagen oder auch mal in einem Planungstreffen ein bisschen meine Meinung sagen kann:) Deswegen bin ich gerade richtig zufrieden mit meinem Leben hier, weil ich einfach das Gefühl habe, endlich meinen Platz gefunden zu haben.
Nächsten Monat bin ich dann fern der Zivilisation auf Y-Camp und mache da einen Monat Kinder und Jugendfreizeiten und dann ist auch schon Halbzeit und ich kann in meinem dreiwöchigen Urlaub mit meiner Mama und einer ihrer Freundinnen dieses wunderschöne Land außerhalb von Lima entdecken:) Dieses Wochenende bekomme ich schonmal einen kleinen Vorgeschmack davon, da fahren wir (Teresa und ich) nämlich
mit Claudia nach Arequipa um uns die Arbeit dort im Guay anzuschauen und schonmal ein bisschen die Stadt zu erkunden, in der wir dann von April bis Ende Juli wohnen werden.

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr habt einen guten Start ins neue Jahr gehabt; mir wurde ja gesagt, dass bei euch da oben gerade die Welt untergeht und ganz Europa im Schneechaos versunken ist:) also ich denk an euch wenn ich dann vom Strand wiederkomme und wahrscheinlich so schwarz sein werde wie unser lieber nigerianischer Mitvolontär Lekan:) Ich hab mir schon überlegt ob ich mir nicht meine Haare dunkler färbe, die sind nämlich daran Schuld, dass ich immer noch beim Busfahren beschissen werde und trotz runterhandeln dann doch oft den Touri-preis zahlen muss...mal schauen:)

ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute für alles was bei euch in der nächsten Zeit so ansteht, seien es die ersten Prüfungen in der Uni, Vortanztermine, Studiumsbeginn oder der ganz normale Wahnsinn im Arbeitsalltag.

ich denk an euch!!!!!!

seid gesegnet,
un abrazo suuper-fuerte
eure Sarah

Montag, 23. November 2009

Advent, Advent...ein Lebenszeichen aus dem peruanischen Vorweihnachtschaos:)

Und schon wieder ist ueber ein Monat vorbei seit meinem letzten Blogeintrag! Die Zeit vergeht hier wirklich wahnsinnig schnell, eine Woche nach der anderen rauscht nur so vorbei und bleibt nur relativ wenig Zeit um sich mal zu zurueckzuziehen und alles nochmal zu reflektieren, was man alles so erlebt.

Ausserdem ist vor 3 Wochen auch noch mein Laptop kaputt gegangen, was es ein bisschen schwierig macht ins Internet zu kommen, weil meine Gastfamilie eigentlich immer am Familienrechner sitzt. Deswegen schreib ich euch jetzt aus einem unglaublich winzigen und mit Menschen und Computern vollgestopften Internetcafe gegenueber vom Guay, was aber eigentlich ganz cool ist, so kommt richtiges Perufeeling auf:)


Annika und ich bei der "Campaña de Salud" in Independencia



Der letzte Monat war ziemlich anstrengend, wir sind mittlerweile voll und ganz in die Arbeit integriert und muessen jede Menge Aufgaben uebernehmen, vor denen wir uns vorher wegen unserer mangelnden Spanischkenntnisse druecken konnten:) So moderiert der eine bei unserem monatlichen Jugendevent "AL LIMITE" (= Am Limit), der andere wurde gefragt ob der nicht die Hauptleitung vom Musikteam uebernehmen will und in den letzten Wochen kam es auch immer mal wieder vor, dass wir die Kinder und Jugendgruppen in Indendencia alleine schmeissen mussten, weil die Hauptverantwortlichen krank oder nicht da waren. Im Allgemeinen, sind wir ziemlich ausgelastet mit Arbeit und mussten uns erstmal daran gewoehnen auch den ganzen Samstag zu arbeiten und somit nur einen Tag richtig Wochenende zu haben. Ich merke auch langsam, wie es mir ein bisschen zu schaffen macht, dass ich hier viel weniger schlafe als in Deutschland, weil wir meistens sehr spaet nach hause kommen und ausserdem der Laermpegel in peruanische Familien auch nachts wesentlich hoeher liegt als daheim in Deutschland.

Dazu kommt noch, dass der ganze November vollgestopft war mit Kinder und Jugendgruppen-Uebernachtungen und Sonderevents, sodass manchmal nicht mal der Sonntag freigeblieben ist.

Auch wenn das alles total Spass macht sind die meisten von uns ziemlich an unsere Grenzen gestossen, was in den letzten Wochen immer mal wieder zu ein paar kleinen Krisen und Kulturschock-anfluegen gefuehrt hat. Aber jetzt im Dezember wird alles wieder ein bisschen ruhiger und ich persoenlich hab den letzten Monat auch gelernt, mal nein zu sagen und mir die Zeit zu nehmen um mich mal zurueckzuziehen, zu lesen, einfach mal frueher schlafen zu gehen und vor allem nachts Oropax reinzutun:)

volontaere beim Mitarbeiterwochenende


Ausserdem gibt es auch immer mal wieder Moeglichkeiten dem Alltag und der Arbeit zu entfliehen, am 10. November zum Beispiel war Hillsong United hier in Lima und wir waren natuerlich alle auf dem Konzert. Diese coole Band, 2000 singende und tanzende Menschen und ein unglaublich cooles Bergpanaorma um uns herum, das war schon echt beeindruckend und total schoen. Auch haben wir jetzt eine total schoene kleine Gemeinde relativ in der Naehe vom Guay gefunden, wo wir jetzt immer Sonntag abends hingehen und wo der Gottesdienst auf Englisch und Spanisch gehalten wird. An den freien Abenden (also Samstags, wenn Sonntags keine Extraevents waren;) waren wir immer mal wieder auf Geburtstagsfeiern von Peruanern oder uns Volontaeren und erst letztens, waren wir in einem total coolen Club, in dem die ganze Zeit Salsa, Cumbia und Reggaeton gelaufen ist und haben die ganze Nacht getanzt.
Noch ein weiteres cooles Ereignis ist, dass die Annika seit nun gut einer Woche hier "zu Besuch" ist. Sie war hier im Jahr 2003-2004 Volontaerin und schreibt jetzt ihre Diplomarbeit ueber die Entwicklung in Independencia. Deswegen ist sie jetzt fuer einen Monat hier um Material zu sammeln und Gespraeche zu fuehren und nebenbei gammeln wir hin und wieder im Guay zusammen rum, quatschen und basteln Fenstersterne fuer Al Limite, das ist fast wie frueher als wir noch zusammen in Wuerzburg Jugendgruppe gemacht haben:)


Insgesamt macht es richtig Spass immer mehr hier in diese Chaoskultur reinzufinden, wir haben viele peruanische Freunde aus dem Guay mit denen wir uns auch nach und nach immer besser unterhalten koennen, weil Schritt fuer Schritt unser Spanisch immer besser wird. Man hat sich langsam daran gewoent, dass sowohl die Busse als auch die Klamotten kleiner sind als in Deutschland, also falls ihr mal nach Perú fahren wollt, beim Aussteigen Kopf einziehen und beim Shoppen nicht verzweifeln, wenn auch L zu klein ist und wenn man unglaeubig angeschaut wird, nur weil man Schuhgroesse 39 hat:)


Aber auch meine Arbeit macht mir immer mehr Spass, weil ich immer mehr auch mit eingebunden werde und mir nicht mehr so sinnlos vorkomme wie am Anfang. Gerade fuer die Arbeit in Independencia schlaegt mein Herz besonders, auch wenn das die anstrengendste ist und ich mich jeden Samstagmorgen wieder neu motivieren muss um 6.30 Uhr aufzustehen und die eine Stunde mit dem Bus in dieses nach Urin und Abfall stinkende Viertel zu fahren. Aber immer wenn ich dann da bin und merke wie sehr unsere Arbeit dort gebraucht wird, bin ich immer total gluecklich dort zu sein. Auch wenn ich mich manchmal frage wie man diesen Teufelskreis aus familiaerer Gewalt, fehlender Perspektive und mangelnder Bildung unterbrechen kann und man einfach nich weiss wo man anfangen soll, weil man als Volontaer in einem Jahr auch nicht so viel aendern kann. Aber man lernt echt sehr viel ueber die Kultur und Menschen dort und auch ueber sich selbst. Vor allem was meine Ansprueche an Bildung und Komfort angeht, ist mir echt klargeworden in was fuer einer reichen kleinen Oase wir in Deutschland leben. Letzte Woche haben wir in unserer Frauengruppe einen Evaluationsbogen mitgebracht, um rauszufinden, was am Programm verbessert werden kann und die Frauen haben 1,5 Stunden fuer 8 Fragen gebraucht, weil viele von ihnen gar nicht oder nur sehr schlecht lesen oder schreiben koennen. Das hat mich echt umgehauen, vor allem als dann eine 18-jaehrige Mama mit ihrem 2,5 Jahre alten Sohn zu mir kam und mich gefragt hat, ob ich den Bogen fuer sie ausfuellen kann weil sie weder lesen und schreiben kann, naja und die ist 2 Jahre juenger als ich, schon krass, dass es sowas im 21. Jahundert noch gibt und das in der Hauptstadt von einem Land, das schon nicht mehr zu den Entwicklungslaendern gehoert...


Kinder und Frauen bei einer vom Guay organisierten Demo
in Independencia


Jungs aus meiner Kindergruppe in Independencia




Ab mitte Dezember hoeren hier vorerst alle Programme auf und es beginnt das Sommerprogramm, bei dem ungefaehr viermal so viele Menschen im Guay sein werden wie im Moment. Es gibt drei verschiedene Orte, wo das Sommerprogramm im Januar und Februar stattfindet (Der Strand "Y-Camp, Independencia und Pueblo Libre) und wir uebriggebliebenen sieben Volontaere werden jeweils einen Monat an einem davon verbringen. Julia und Laura werden anfang Januar nach Trujillo umziehen und bis Juli dort im CVJM arbeiten.


Teresa und mich wird es nach dem Sommerprogramm nach Arequipa verschlagen, eine sehr schoene Stadt im Sueden von Lima, die 2300 Meter ueber dem Meeresspiegel liegt. Ich bin schon ziemlich gespannt wie die Arbeit dort sein wird, auch wenn es wahrscheinlich richtig hart wird noch einmal das zuhause zu wechseln und nochmal ganz von vorne anfangen zu muessen. Aber ein Vorteil am Leben in Arequipa ist, dass die Luft um einiges sauberer ist und eigentlich fast immer die Sonne scheint, ganz zu schweigen von dem unglaublichen Bergpanorama, das uns dort erwartet:)



So das war es erstmal wieder vom anderen Ende der Welt, ich koennte noch 1000 Dinge erzaelen, aber sonst wird das ganze noch laenger als eh schon:) Ich wollte mich noch fuer die ganzen lieben Geburtstagsgruesse bedanken, ich hatte einen wunderschoenen Tag mit Sonne, Strand und vielen netten Menschen, aber die Gruesse aus der Heimat haben das ganze noch viel besser gemacht:)

Geburtstag am Strand - mal was Neues:)



Ich wuensche euch einen besinnlichen Start in die Weihnachtszeit, auch wenn die Adventszeit ja meistens eher hektisch ist und voller Arbeit. Hier blinkt und singt alles in den Strassen und Supermaerkten und der ganze Weihnachts-Plastik-Kitsch passt irgendwie gar nicht zu den sommerlichen Temperaturen, aber ich bin gespannt auf die mal etwas andere
Weihnachtserfahrung:)


Weihnachtstimmung im Mitarbeitergottesdienst:)

Viele liebe Gruesse und eine grosse Umarmung

que dios los bendiga

eure Sarah

Montag, 5. Oktober 2009

Das Leben beginnt:)

Nach mittlerweile sechs Wochen Abenteuer Peru, kehrt hier so langsam ein bisschen mehr Alltag ein und ich bin dabei mich in meiner neuen Heimat richtig zuhause zu fühlen. In den letzten Wochen hab ich viel erlebt, ich bin bei meiner Gastfamilie eingezogen, meine Arbeit hat angefangen und ich hatte auch ein bisschen Zeit um mich im bunten Rießenchaos Lima ein bisschen umzuschauen:) Hier nun ein paar Details aus meinem neuen Leben in der stinkenden aber unglaublich faszinierenden Großstadt:

1. Meine Gastfamilie
Ich hab ja das letzte Mal schon ein bisschen geschrieben, wie meine Familie so aussieht, aber jetzt nach dem ersten Monat gemeinsamem Leben, kann ich jetzt auch ein bisschen mehr erzählen. Wir wohnen zu fünft mit drei Katzen (Arslan, Pimienta und Benito:) im Distrikt "Lima". In unserer Nachbarschaft wohnen hauptsächlich Familien aus der Mittelschicht und auch meine Familie gehört zu den Peruanern, denen es finanziell ganz gut geht, was heißt, dass wir meistens:) warmes Wasser, eine Waschmaschine und sogar Internet haben (sofern es gerade mal funktioniert:). Wir wohnen ganz in der Nähe vom CVJM, ich muss nur 10 minuten mit dem bus fahren, das ist ziemlich praktisch. Und ich hab ein kleines, aber sehr süßes Zimmer, in dem immer mindestens eine der drei Katzen ist und meine Unordnung noch unordentlicher macht.
Mein Zimmer
Meine Gasteltern sind beide unglaublich freundlich und verständnisvoll was meine Sprachversuche angeht und auch meine beiden Gastschwestern sind richtig cool. Gestern war der 20. Geburtstag von Adriana, der jüngeren der beiden und um es in einem Wort zu beschreiben meine "Chaosschwester":). Es war richtig cool, wir haben auf unserer Dachterasse gefeiert, es gab unglaublich viel und leckeres Essen und alle haben bis um 5 getanzt (Den Salsa-rhythmus saugen die Leute hier ja quasi mit der Muttermilch auf:)

Mein Gastpapa und ich haben so ziemlich den gleichen Humor, was hier ziemlich untypisch ist, weil Sarkasmus und Ironie hier nur sehr wenig verstanden wird und man damit ganz schnell als unhöflich abgestempelt wird (was für mich eine ziemliche Herausforderung darstellt, wie ihr euch sicher vorstellen könnt:). Auf jeden Fall verstehe wir uns blendend und wenn ich in ein paar Monaten richtig gut Spanisch kann, kriegt er alle fiesen Sprüche zurück, mit denen er mich die ganze Zeit verarscht:) Alles in Allem fühle ich mich in meiner Familie richtig wohl und genieße es wie eine dritte Tochter ("hijita":) behandelt zu werden.
2. Meine Arbeit
Wir Volontäre sind über viele verschiedene Projekten und Gruppen der ACJ (so heißt hier der CVJM) verteilt und arbeiten dort meistens zu zweit oder zu dritt mit noch anderen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern zusammen. Ich arbeite hauptsächlich mit Kindern und noch in einer Frauengruppe in Independencia mit (was ich mir ja sehr gewünscht habe:). Eines der Kinderprogramme ist in einer der Schulen der ACJ, die in einem eher ärmeren Stadtviertel (La Victoria) für nur sehr wenig Geld eine gute Grundschulbildung anbietet. Die Schüler dort sind hauptsächlich Kinder von Arbeitern aus den umliegenden Fabriken und mit denen machen wir dort zwei mal die Woche nachmittags ein Freizeitprogramm, was so eine Mischung aus normaler Jungschar und verschiedenen Projekten ist. Das andere Kinderprogramm ist ein offenes Freizeitprogramm im Haupthaus der ACJ in Pueblo libre, wo immer Freitags von 18°°-19°° Uhr um die 30-40 Kinder kommen, die entweder dort zur Schule gehen, an Sportangeboten teilnehmen oder mit ihren Eltern da sind. Mein dritter Einsatzort, sind die Kindergruppen in Independencia, wo ich Samstags den ganzen Tag von morgens um 8°° bis abends um 20°° Uhr mitarbeite. Das macht mir unglaublichen Spaß, vor allem weil die Kinder alle total cool und lebendig sind und sich immer freuen wenn wir kommen. Und auch mit der Hauptamtlichen mit der ich das zusammen mache (Raquel) verstehe ich mich total gut. Über meine Arbeit werde ich euch aber demnächst noch ein bisschen genauer berichten, vor allem wenn ich dann mal ein paar Fotos davon habe. Im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit, das einzige was mich stört ist, dass ich noch nicht soviel Energie habe, wie ich da eigentlich gerne reinstecken würde, aber ich bin immer total schnell erschöpft, gerade wenn ich in Independencia bin. Aber mir wird hier immer wieder gesagt, dass ich Geduld haben soll und dass das am Anfang allen so geht.
3. Schönes Lima und Umgebung;)
Um ein wenig dem Autolärm und dem Smog Limas zu entfliehen, haben wir im letzte Monat ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht, denn gerade in Pueblo libre und Centro Lima sieht man nur sehr selten blauen Himmel und die Luft macht einem echt zu schaffen. Ein Ausflug ging an den CVJM-Strand ("Y-Camp") und noch zu einem anderen Freizeitgelände der ACJ ("Azpitia"), beide Orte liegen ungefähr 2 Autostunden südlich von Lima entfernt. Es war wunderschön mal wieder richtig frische Luft zu atmen und in der Natur zu sein, das lernt man hier richtig zu schätzen. Und das Wetter war genial, wir haben uns alle am Meer einen Sonnenbrand geholt, obwohl wir in Lima vorher noch richtig winterliche Temperaturen hatten.
Y-Camp
Cafeteria neben dem Freizeitheim in Azpitia
Aber auch innerhalb Limas gibt es ein paar schöne Ecken, man muss nur wissen wo man suchen muss:) So haben mein Gastpapa, meine Gastschwestern und ich letzten Sonntag einen Ausflug zur "Punta" gemacht, ein Stadtteil von Lima, der direkt am Meer liegt und zu dem man von uns aus nur 20 Minuten mit dem Auto hinfährt. Da haben wir dann eine kleine Bootstour bei genialem Wetter gemacht und ich hab das erste Mal in meinem Leben Pelikane in freier Wildbahn gesehen.

Adriana, Dante und ich auf dem Hauptplatz der "Punta"


Pelikane auf der Bootsrundfahrt



4. Leben und Leute

Jetzt wo wir uns auch langsam halbwegs auf Spanisch ausdrücken können, kommen auch immer mehr soziale Kontakte dazu, vor allem Leute aus unseren Arbeitsbereichen, Freunde und Verwandte unserer Gastfamilien und die Leute aus unseren Mitarbeiterkreisen. Hier treffen sich (ähnlich wie bei uns im CVJM-Würzburg) alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einmal wöchentlich zum gemeinsamen Essen, Beten, Quatschen und gemeinsam Zeit verbringen. Alle zwei Wochen treffen sich alle zusammen in der ACJ und sonst in Kleingruppen bei jemandem zuhause. Die gesamte Mitarbeitergemeinschaft nennt sich "Juan 17" nach dem Bibelvers aus Johannes 17, der auch der gemeinsame Leitspruch der CVJMs weltweit ist. Meine Kleingruppe trifft sich praktischerweise bei uns zuhause und die Leute sind richtig cool. Von uns Volontären ist außer mir noch der Tobi in der gleichen Gruppe und die andern geben sich ziemlich Mühe so langsam zu sprechen, dass wir sie auch halbwegs verstehen, meistens jedenfalls:) Insgesamt werden wir überall im CVJM total liebevoll aufgenommen und die Leute bemühen sich sehr um uns und versuchen uns immer gleich total zu integrieren. So bekommen wir die besten Orte gezeigt wo man abends weggehen kann, wir werden auf jeden Geburtstag eingeladen und 1000 Leuten vorgestellt.

Meine Mitarbeiterkleingruppe:

rechts unten: mein Gastpapa Dante, Ich, meine Gastschwester Giannina und meine Gastmama Elisa

So jetzt seid ihr auch mal wieder ein bisschen auf dem Laufenden:) Allgemein geht es mir richtig gut, auch wenn ich zuhause natürlich immer mal wieder seehr vermisse, vor allem die Schokoolaade:) und natürlich meine liebe Familie und meine ganzen tollen Freunde:) ich hoffe euch gehts allen gut und ich hör mal hin und wieder was von dem einen oder anderen, was alles so passiert im kalten Deutschland.


Bis dahin alles Liebe


que dios los bendiga:)


eure Sarah

Freitag, 11. September 2009

Eine kleine Vorbemerkung zu meinem ersten Blogeintrag:)
Weil ihr so viele verschiedene Leute seid, die mich aus so vielen verschiedenen Ecken meines Lebens kennen, also Familie, Schule, CVJM... wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, meine Berichte so zu schreiben, dass alle Infos für euch gleich interessant sind:) Wenn ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, freue ich mich von euch eine Mail zu bekommen (Sonst natürlich auch:) Viel Spaß beim Lesen:)



Ich bin daaaa:). Nach langer Vorbereitung, vielen und ziemlich herzzerreißenden Abschieden und einem endlos langen Flug sind wir (meine Mitvolontäre Teresa, Anne, Julia, Hannah, Tobi, Steffen, Laura, Consti und ich) am 29. September 2009 in Lima angekommen.
Hier werden wir die nächsten 12 Monate im peruanischen CVJM in den verschiedenen Bereichen, wie der Jungschar- und Jugendarbeit, den sozialen Hilfsprogrammen in den Armenvierteln oder in einer der drei CVJM-Schulen mitarbeiten.
Die ersten zwei Wochen wohnen wir jetzt erstmal im CVJM (7 Mädels und 14 Taschen in einem Zimmer sind manchmal eine echte Herausforderung für jeden von uns:)), bekommen alles gezeigt, werden überall vorgestellt und letzten Mittwoch hat auch unser Sprachkurs angefangen (Zum Glück denn mein Spanisch ist irgendwie noch grottiger als ich dachte:)).
Auch wenn ich gerade noch ein bisschen mit der Essensumstellung zu kämpfen habe (irgendwie vertrage ich das Essen hier in der Cafeteria noch nicht so ganz:)) und auch wenn es immer wieder Momente gibt in denen ich ziemlich Heimweh habe, bin ich nach nun fast zwei Wochen Lima auch innerlich in meiner neuen Heimat angekommen.
Auch wenn ich noch nicht so genau weiß, was so alles auf mich zu kommt und wo ich genau mitarbeiten werde, freue ich mich schon total darauf, dass es endlich losgeht und wir hier richtig mitmischen können:)
Das Leben hier im CVJM unterscheidet sich um Einiges von dem in irgendeinem deutschen CVJM: überall geht hier fett die Party ab, aus den 15 verschiedenen Tanzsäälen dröhnen Salsa und Merengue- Musik gemischt mit dem Power- Kampf-Techno der Tae-Bo-Gruppe, überall rennen Kinder in CVJM-Trainingsanzügen rum, die hier in die Schule gehen, und draußen vor unserem Fenster hört man gerade das Geschrei der Seniorenvolleyball-Gruppe, die sich gegenseitig mit „abuelo“ (Großvater) und „tío“ (Onkel) beschimpfen:)
Auch wenn man hier durch die Straßen geht ist es ähnlich, seien es die 1000 verbeulten Autos, die an jeder Rechts-vor-links-Kreuzung hupen bevor sie ohne zu schauen drüberbrettern, seien es die Polizeisirenen, die Autoalarmanlagen oder die Salsa-Musik in den vollgestopften Bussen, ganz Lima ist voll von den verschiedensten und meistens ziemlich lauten Geräuschen:).
An sich ist das hier voll meine Welt, da ich ja selbst nicht wirklich zu den stillsten Menschen gehöre und ich genieße die große Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns hier meistens sehr überschwänglich begrüßen.
Letzten Donnerstag waren wir das erste Mal in „Independencia“, einem Stadtteil von Lima, in dessen Armenvierteln der CVJM seit mehreren Jahren Kinder- und Frauengruppen anbietet und auch durch den Bau von kleinen Arztpraxen und Toiletten, versucht die medizinische und hygienische Situation zu verbessern. Wir haben dort eine Frauengruppe besucht, wo sich jede Woche ungefähr 20 Frauen treffen und dort gemeinsam verschiedene Arten von Handarbeit erlernen und ihre Fähigkeiten weiter ausbauen. Das Ziel ist, dass sie so später auch in anderen Firmen arbeiten und damit ihre Familien versorgen können. Außerdem können die Frauen ihre Kinder mitbringen, es wird dort zusammen gesungen und es werden Spiele gespielt und es gibt jedes Mal eine kleine Andacht. Besonders hat mich die Geschichte einer Frau berührt, die erzählt hat, dass sie hier gelernt hat, dass sie auch etwas Wert ist, obwohl sie nur eine Frau ist und, dass sie sich auch mittlerweile wieder selbst im Spiegel anschauen kann und weiß, dass sie so gut ist wie sie ist. Mir ist klargeworden, was für ein großes Glück es ist, in Deutschland aufwachsen zu dürfen, wo man auch als Frau von klein auf ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln kann. Und ich habe gemerkt wie wichtig dieses Selbstverständnis ist, weil die Frauen hier nur nicht aus ihrer von familiärer Gewalt geprägten Welt ausbrechen können, weil sie glauben, dass sie als Frauen nicht das Recht haben sich zu wehren. Der Besuch dort hat mich sehr angerührt und ich hoffe, dass ich dort mitarbeiten kann, weil ich glaube, dass der CVJM dort eine sehr wertvolle Arbeit macht.
Es gibt auch noch andere tolle Projekte, die wir in den letzten Tagen kennengelernt haben, wie zum Beispiel die Arbeit des CVJMs im „Centro“ Limas , einem eher armen und ziemlich kriminellen Stadtteil von Lima, wo sich um Kinder gekümmert wird, die auf der Straße arbeiten. Aber davon werde ich das nächste Mal erzählen, weil ihr sonst noch 10 Seiten mehr lesen dürft und das dann vielleicht doch ziemlich viel auf einmal wird:)
Vorgestern hab ich meine Gastfamilie kennengelernt, bei der ich auf jeden Fall bis Januar wohnen werde, je nachdem ob ich dann in Lima bleibe oder zu einem der anderen Projekte in Arequipa oder Trujilio wechsle. Ich bin total glücklich so ne tolle Familie abbekommen zu haben, mein Gastpapa Dante ist supernett, meine Gastmama ist genauso Tee-süchtig wie ich und wir haben drei Katzen:) Auch meine beiden Gastschwestern scheinen voll in Ordnung zu sein, bin mal gespannt, wie sich das alles entwickelt:)

Ein weiteres Highlight war, als wir letzte Woche bei einem WM-Qualifikationsspiel zwischen Peru und Uruguay dabei waren und so hautnah die heißblütige Mentalität:) der Peruaner miterleben durften. Peru hat zum Glück gewonnen und sind wir mit jede Menge begeisterter Peruaner auf unseren Plätzen auf und ab hüpfen:) Alles in allem ein seehr cooles Erlebnis.

Also wie gesagt, es geht mir hier eigentlich richtig gut, ich hoffe mein Magen gewöhnt sich irgendwann an die neuen Umstände hier und ich hoffe, dass ich mit meinem Spanisch nicht absolut untergehe, wenn demnächst die Arbeit anfängt:)

Ich wollte mich nochmal für die ganzen lieben Abschiedsworte und –geschenke bedanken, es ist toll zu wissen, dass ihr an mich denkt und/ oder für mich betet. Ihr sollt wissen, dass ich oft an euch denke und mich immer freue zu hören, wie es euch geht.
Diejenigen von euch die wollen, können gerne dafür beten, dass ich mich hier gut eingewöhne, das mein Magen sich irgendwann einkriegt:) und natürlich auch für die Stadt und die Arbeit hier. Hier springt einem quasi die Armut ins Gesicht und es ist wirklich noch viel Veränderung nötig.

Also das war erstmal ein erster Eindruck von meinem neuen Leben auf dem anderen Kontinent:) ich werde versuchen mich demnächst ein bisschen kürzer zu fassen, damit ihr, keine 2 Stunden zum lesen braucht:)

Alles liebe und fühlt euch umarmt

un abrazo

Sarah