Nach acht Monaten in der lauten, chaotischen und aufregenden Großstadt Lima, sind meine Mitvolontärin Teresa und ich nun letzte Woche ins fast 1000 km südlicher gelegene Arequipa umgezogen. Auch wenn Arequipa mit über einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus ist, zählt sie trotzdem als Provinzstadt, wie eben alles, was nicht Lima ist:) Auch wenn es mir schon ein bisschen schwerfällt mich von meiner "ersten" Heimat zu trennen und all die Menschen hinter mir zu lassen, die mich in den ersten Monaten in Peru begleitet haben, gefällt es mir hier richtig gut, gerade weil die Lebensqualität hier um einiges höher ist. Die Luftverschmutzung ist um einiges geringer und wir haben jeden Tag Sonnenschein (also wirklich, im Durchschnitt gibt es hier um die 300 Sonnentage im Jahr:). Ich muss mich nur erstmal an die Ruhe gewöhnen und daran, dass man fast jeden Abend zuhause ist, die Arequipenos sind dafür verschrien, dass sie alle schon um 22.00 Uhr ins Bett gehen:) Das ist schon nochmal ein erneuter Kulturschock nach den letzten Monaten, die alles andere als ruhig und beschaulich waren.
Nach dem ich im Januar in Lima gearbeitet habe, ging es dann anfang Februar an den CVJM-Strand (Y-Camp), der 115 km südlich von Lima liegt. Dort haben wir 1 1/2 Monate als internationales Team aus Peruanern, Kolumbianern, Deutschen, einem Amerikaner und einem Nigerianer, Kinder-und Jugenfreizeiten organisiert, was so ziemlich die anstrengendste Arbeit war, die ich in meinem Leben gemacht habe. Die Freizeiten dauerten immer drei Tage und in dieser Zeit wurde programmmäßig so ziemlich alles gemacht was ging: Sandburgenwettbewerbe, Teambuilding, Nachtgeländespiele, schlafen in der Wüste und natürlich die obligatorische Fiesta, bei der auch schon die achtjährigen Salsa und Reggaeton tanzten. Als die Kinder dann um 1.00 Uhr endlich im Bett waren, kam noch die nächtliche Mitarbeiterbesprechung, die sich auch gerne nochmal eine Stunde ziehen konnte, weswegen das durchschnittliche Schlafpensum eines Y-Camp-Mitarbeiters bei ungefähr vier Stunden lag. Nach den drei Tagen, nahm der Bus dann einen Haufen totmüder Kinder wieder mit zurück nach Lima, setzte aber zum Leiden der ebefalls totmüden Mitarbeiter auch gleich wieder eine neue Ladung quietschlebendiger Kinder ab etc...
Trotz der harten Arbeit und der täglichen Herausforderungen bzw. Überforderungen, waren diese 1 1/2 Monate bis jetzt so ziemlich die intensiveste Zeit meines Auslandsjahres. Am Strand habe ich nicht nur gelernt auf Spanisch Improtheater zu spielen oder einfach mal spontan eine Horde von 70 Kindern ohne Spielmaterial eine halbe Stunde lang zu beschäftigen, sondern ich bin auch Schritt für Schritt mutiger geworden, gerade was es angeht alleine Gruppen zu leiten, Spiele zu erklären und auch in den Besprechungen meine eigene Meinung und Ideen einzubringen. Außerdem durfte ich das unglaubliche Privileg erfahren, jeden Tag mit Meeresrauschen aufzuwachen, barfuß durch den Sand zu laufen und mit einer Gruppe buntgemischter Menschen zu arbeiten, die alle durch ihre unterschiedlichen Kulturen, Fähigkeiten und Ideen das Programm bereichtert haben.
Nachdem das Sommerprogramm dann zu Ende war, sind wir als Volontärsgemeinschaft zu unserer Zwischenauswertung für eine Woche in den Regenwald (Selva) gefahren. Nach sieben Monate Beton- und Sandwüste, war es fast schon ein Schock so viel grüne Natur um sich herum zu haben:) Aber diese Tage haben uns echt nochmal richtig durchatmen lassen und wir konnten als Gruppe nochmal die erste Hälfte unseres Einsatzes auswerten, bevor es dann darum ging, was so in der nächsten Hälfte auf uns wartet.
Und dann war es auch schon so weit und meine Mama kam mich besuchen:) In meinem dreiwöchigen Urlaub, sind wir dann zu dritt (meine Mama, ihre Freundin Sabine und ich) durch Peru gecheckt und ich konnte endlich mal ein bisschen mehr von dem Land erleben, von den mir immer jeder gesagt hat wie wunderschön es sei. Und jetzt nachdem ich einiges von der großen Vielfalt Perus, sei es die Wüste an der Küste, das Hochland rund um Cuzco oder den Regenwald, kennenlernen durfte kann ich das nur bestätigen. Auch war es richtig cool, dass meine Mama mein Leben hier kennenlernen konnte, ich ihr meine Gastfamilie und meine Freunde vorstellen konnte und wir sogar einen Tag nach Independencia gefahren sind um uns meine Arbeit anzuschauen.
Nach meinem Urlaub, blieben mir noch zwei Wochen in Lima um mich von allen zu verabschieden und meine Koffer zu packen für das neue Abenteuer Arequipa.
Und jetzt bin ich hier:) die Arbeit ist noch ein bisschen ungeordnet und wir fühlen uns ein bisschen verloren, weil unser eigentlicher Chef vor kurzem gekündigt hat und gerade keiner so recht weiß, wer jetzt für alles und auch für uns verantwortlich ist. Aber heute haben wir schonmal ein paar von den Kindern und Jugendlichen aus dem Armenviertel kennengelernt in dem wir arbeiten werden und die sind alle richtig cool. Und wir sind zuversichtlich dass sich alles schon noch regeln wird, bis dahin basteln wir mit unseren Kindern Muttertagskarten oder bieten Tanzworkshops an, weil genau dafür sind wir hier :)
Ich hoffe es geht euch allen gut im fernen Deutschland oder sonst wo auf der Welt; tut mir leid dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber wie ihr vielleicht gemerkt habt, ging hier alles ziemlich drunter und drüber. Deswegen bin ich eigentlich auch ganz zufrieden mit meinem neuen Provinzleben, jetzt komme ich auch wieder mal dazu längere Skypegespräche zu führen oder mich um meine Zukunft zu kümmern:) ich freue mich auf jeden Fall über jedes Lebenszeichen eurerseits:)
Bis dahin
alles Liebe und Gottes fetten Segen
un besoote
Sarah
Dienstag, 27. April 2010
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