Montag, 5. Oktober 2009

Das Leben beginnt:)

Nach mittlerweile sechs Wochen Abenteuer Peru, kehrt hier so langsam ein bisschen mehr Alltag ein und ich bin dabei mich in meiner neuen Heimat richtig zuhause zu fühlen. In den letzten Wochen hab ich viel erlebt, ich bin bei meiner Gastfamilie eingezogen, meine Arbeit hat angefangen und ich hatte auch ein bisschen Zeit um mich im bunten Rießenchaos Lima ein bisschen umzuschauen:) Hier nun ein paar Details aus meinem neuen Leben in der stinkenden aber unglaublich faszinierenden Großstadt:

1. Meine Gastfamilie
Ich hab ja das letzte Mal schon ein bisschen geschrieben, wie meine Familie so aussieht, aber jetzt nach dem ersten Monat gemeinsamem Leben, kann ich jetzt auch ein bisschen mehr erzählen. Wir wohnen zu fünft mit drei Katzen (Arslan, Pimienta und Benito:) im Distrikt "Lima". In unserer Nachbarschaft wohnen hauptsächlich Familien aus der Mittelschicht und auch meine Familie gehört zu den Peruanern, denen es finanziell ganz gut geht, was heißt, dass wir meistens:) warmes Wasser, eine Waschmaschine und sogar Internet haben (sofern es gerade mal funktioniert:). Wir wohnen ganz in der Nähe vom CVJM, ich muss nur 10 minuten mit dem bus fahren, das ist ziemlich praktisch. Und ich hab ein kleines, aber sehr süßes Zimmer, in dem immer mindestens eine der drei Katzen ist und meine Unordnung noch unordentlicher macht.
Mein Zimmer
Meine Gasteltern sind beide unglaublich freundlich und verständnisvoll was meine Sprachversuche angeht und auch meine beiden Gastschwestern sind richtig cool. Gestern war der 20. Geburtstag von Adriana, der jüngeren der beiden und um es in einem Wort zu beschreiben meine "Chaosschwester":). Es war richtig cool, wir haben auf unserer Dachterasse gefeiert, es gab unglaublich viel und leckeres Essen und alle haben bis um 5 getanzt (Den Salsa-rhythmus saugen die Leute hier ja quasi mit der Muttermilch auf:)

Mein Gastpapa und ich haben so ziemlich den gleichen Humor, was hier ziemlich untypisch ist, weil Sarkasmus und Ironie hier nur sehr wenig verstanden wird und man damit ganz schnell als unhöflich abgestempelt wird (was für mich eine ziemliche Herausforderung darstellt, wie ihr euch sicher vorstellen könnt:). Auf jeden Fall verstehe wir uns blendend und wenn ich in ein paar Monaten richtig gut Spanisch kann, kriegt er alle fiesen Sprüche zurück, mit denen er mich die ganze Zeit verarscht:) Alles in Allem fühle ich mich in meiner Familie richtig wohl und genieße es wie eine dritte Tochter ("hijita":) behandelt zu werden.
2. Meine Arbeit
Wir Volontäre sind über viele verschiedene Projekten und Gruppen der ACJ (so heißt hier der CVJM) verteilt und arbeiten dort meistens zu zweit oder zu dritt mit noch anderen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern zusammen. Ich arbeite hauptsächlich mit Kindern und noch in einer Frauengruppe in Independencia mit (was ich mir ja sehr gewünscht habe:). Eines der Kinderprogramme ist in einer der Schulen der ACJ, die in einem eher ärmeren Stadtviertel (La Victoria) für nur sehr wenig Geld eine gute Grundschulbildung anbietet. Die Schüler dort sind hauptsächlich Kinder von Arbeitern aus den umliegenden Fabriken und mit denen machen wir dort zwei mal die Woche nachmittags ein Freizeitprogramm, was so eine Mischung aus normaler Jungschar und verschiedenen Projekten ist. Das andere Kinderprogramm ist ein offenes Freizeitprogramm im Haupthaus der ACJ in Pueblo libre, wo immer Freitags von 18°°-19°° Uhr um die 30-40 Kinder kommen, die entweder dort zur Schule gehen, an Sportangeboten teilnehmen oder mit ihren Eltern da sind. Mein dritter Einsatzort, sind die Kindergruppen in Independencia, wo ich Samstags den ganzen Tag von morgens um 8°° bis abends um 20°° Uhr mitarbeite. Das macht mir unglaublichen Spaß, vor allem weil die Kinder alle total cool und lebendig sind und sich immer freuen wenn wir kommen. Und auch mit der Hauptamtlichen mit der ich das zusammen mache (Raquel) verstehe ich mich total gut. Über meine Arbeit werde ich euch aber demnächst noch ein bisschen genauer berichten, vor allem wenn ich dann mal ein paar Fotos davon habe. Im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit, das einzige was mich stört ist, dass ich noch nicht soviel Energie habe, wie ich da eigentlich gerne reinstecken würde, aber ich bin immer total schnell erschöpft, gerade wenn ich in Independencia bin. Aber mir wird hier immer wieder gesagt, dass ich Geduld haben soll und dass das am Anfang allen so geht.
3. Schönes Lima und Umgebung;)
Um ein wenig dem Autolärm und dem Smog Limas zu entfliehen, haben wir im letzte Monat ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht, denn gerade in Pueblo libre und Centro Lima sieht man nur sehr selten blauen Himmel und die Luft macht einem echt zu schaffen. Ein Ausflug ging an den CVJM-Strand ("Y-Camp") und noch zu einem anderen Freizeitgelände der ACJ ("Azpitia"), beide Orte liegen ungefähr 2 Autostunden südlich von Lima entfernt. Es war wunderschön mal wieder richtig frische Luft zu atmen und in der Natur zu sein, das lernt man hier richtig zu schätzen. Und das Wetter war genial, wir haben uns alle am Meer einen Sonnenbrand geholt, obwohl wir in Lima vorher noch richtig winterliche Temperaturen hatten.
Y-Camp
Cafeteria neben dem Freizeitheim in Azpitia
Aber auch innerhalb Limas gibt es ein paar schöne Ecken, man muss nur wissen wo man suchen muss:) So haben mein Gastpapa, meine Gastschwestern und ich letzten Sonntag einen Ausflug zur "Punta" gemacht, ein Stadtteil von Lima, der direkt am Meer liegt und zu dem man von uns aus nur 20 Minuten mit dem Auto hinfährt. Da haben wir dann eine kleine Bootstour bei genialem Wetter gemacht und ich hab das erste Mal in meinem Leben Pelikane in freier Wildbahn gesehen.

Adriana, Dante und ich auf dem Hauptplatz der "Punta"


Pelikane auf der Bootsrundfahrt



4. Leben und Leute

Jetzt wo wir uns auch langsam halbwegs auf Spanisch ausdrücken können, kommen auch immer mehr soziale Kontakte dazu, vor allem Leute aus unseren Arbeitsbereichen, Freunde und Verwandte unserer Gastfamilien und die Leute aus unseren Mitarbeiterkreisen. Hier treffen sich (ähnlich wie bei uns im CVJM-Würzburg) alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einmal wöchentlich zum gemeinsamen Essen, Beten, Quatschen und gemeinsam Zeit verbringen. Alle zwei Wochen treffen sich alle zusammen in der ACJ und sonst in Kleingruppen bei jemandem zuhause. Die gesamte Mitarbeitergemeinschaft nennt sich "Juan 17" nach dem Bibelvers aus Johannes 17, der auch der gemeinsame Leitspruch der CVJMs weltweit ist. Meine Kleingruppe trifft sich praktischerweise bei uns zuhause und die Leute sind richtig cool. Von uns Volontären ist außer mir noch der Tobi in der gleichen Gruppe und die andern geben sich ziemlich Mühe so langsam zu sprechen, dass wir sie auch halbwegs verstehen, meistens jedenfalls:) Insgesamt werden wir überall im CVJM total liebevoll aufgenommen und die Leute bemühen sich sehr um uns und versuchen uns immer gleich total zu integrieren. So bekommen wir die besten Orte gezeigt wo man abends weggehen kann, wir werden auf jeden Geburtstag eingeladen und 1000 Leuten vorgestellt.

Meine Mitarbeiterkleingruppe:

rechts unten: mein Gastpapa Dante, Ich, meine Gastschwester Giannina und meine Gastmama Elisa

So jetzt seid ihr auch mal wieder ein bisschen auf dem Laufenden:) Allgemein geht es mir richtig gut, auch wenn ich zuhause natürlich immer mal wieder seehr vermisse, vor allem die Schokoolaade:) und natürlich meine liebe Familie und meine ganzen tollen Freunde:) ich hoffe euch gehts allen gut und ich hör mal hin und wieder was von dem einen oder anderen, was alles so passiert im kalten Deutschland.


Bis dahin alles Liebe


que dios los bendiga:)


eure Sarah

Freitag, 11. September 2009

Eine kleine Vorbemerkung zu meinem ersten Blogeintrag:)
Weil ihr so viele verschiedene Leute seid, die mich aus so vielen verschiedenen Ecken meines Lebens kennen, also Familie, Schule, CVJM... wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, meine Berichte so zu schreiben, dass alle Infos für euch gleich interessant sind:) Wenn ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, freue ich mich von euch eine Mail zu bekommen (Sonst natürlich auch:) Viel Spaß beim Lesen:)



Ich bin daaaa:). Nach langer Vorbereitung, vielen und ziemlich herzzerreißenden Abschieden und einem endlos langen Flug sind wir (meine Mitvolontäre Teresa, Anne, Julia, Hannah, Tobi, Steffen, Laura, Consti und ich) am 29. September 2009 in Lima angekommen.
Hier werden wir die nächsten 12 Monate im peruanischen CVJM in den verschiedenen Bereichen, wie der Jungschar- und Jugendarbeit, den sozialen Hilfsprogrammen in den Armenvierteln oder in einer der drei CVJM-Schulen mitarbeiten.
Die ersten zwei Wochen wohnen wir jetzt erstmal im CVJM (7 Mädels und 14 Taschen in einem Zimmer sind manchmal eine echte Herausforderung für jeden von uns:)), bekommen alles gezeigt, werden überall vorgestellt und letzten Mittwoch hat auch unser Sprachkurs angefangen (Zum Glück denn mein Spanisch ist irgendwie noch grottiger als ich dachte:)).
Auch wenn ich gerade noch ein bisschen mit der Essensumstellung zu kämpfen habe (irgendwie vertrage ich das Essen hier in der Cafeteria noch nicht so ganz:)) und auch wenn es immer wieder Momente gibt in denen ich ziemlich Heimweh habe, bin ich nach nun fast zwei Wochen Lima auch innerlich in meiner neuen Heimat angekommen.
Auch wenn ich noch nicht so genau weiß, was so alles auf mich zu kommt und wo ich genau mitarbeiten werde, freue ich mich schon total darauf, dass es endlich losgeht und wir hier richtig mitmischen können:)
Das Leben hier im CVJM unterscheidet sich um Einiges von dem in irgendeinem deutschen CVJM: überall geht hier fett die Party ab, aus den 15 verschiedenen Tanzsäälen dröhnen Salsa und Merengue- Musik gemischt mit dem Power- Kampf-Techno der Tae-Bo-Gruppe, überall rennen Kinder in CVJM-Trainingsanzügen rum, die hier in die Schule gehen, und draußen vor unserem Fenster hört man gerade das Geschrei der Seniorenvolleyball-Gruppe, die sich gegenseitig mit „abuelo“ (Großvater) und „tío“ (Onkel) beschimpfen:)
Auch wenn man hier durch die Straßen geht ist es ähnlich, seien es die 1000 verbeulten Autos, die an jeder Rechts-vor-links-Kreuzung hupen bevor sie ohne zu schauen drüberbrettern, seien es die Polizeisirenen, die Autoalarmanlagen oder die Salsa-Musik in den vollgestopften Bussen, ganz Lima ist voll von den verschiedensten und meistens ziemlich lauten Geräuschen:).
An sich ist das hier voll meine Welt, da ich ja selbst nicht wirklich zu den stillsten Menschen gehöre und ich genieße die große Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns hier meistens sehr überschwänglich begrüßen.
Letzten Donnerstag waren wir das erste Mal in „Independencia“, einem Stadtteil von Lima, in dessen Armenvierteln der CVJM seit mehreren Jahren Kinder- und Frauengruppen anbietet und auch durch den Bau von kleinen Arztpraxen und Toiletten, versucht die medizinische und hygienische Situation zu verbessern. Wir haben dort eine Frauengruppe besucht, wo sich jede Woche ungefähr 20 Frauen treffen und dort gemeinsam verschiedene Arten von Handarbeit erlernen und ihre Fähigkeiten weiter ausbauen. Das Ziel ist, dass sie so später auch in anderen Firmen arbeiten und damit ihre Familien versorgen können. Außerdem können die Frauen ihre Kinder mitbringen, es wird dort zusammen gesungen und es werden Spiele gespielt und es gibt jedes Mal eine kleine Andacht. Besonders hat mich die Geschichte einer Frau berührt, die erzählt hat, dass sie hier gelernt hat, dass sie auch etwas Wert ist, obwohl sie nur eine Frau ist und, dass sie sich auch mittlerweile wieder selbst im Spiegel anschauen kann und weiß, dass sie so gut ist wie sie ist. Mir ist klargeworden, was für ein großes Glück es ist, in Deutschland aufwachsen zu dürfen, wo man auch als Frau von klein auf ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln kann. Und ich habe gemerkt wie wichtig dieses Selbstverständnis ist, weil die Frauen hier nur nicht aus ihrer von familiärer Gewalt geprägten Welt ausbrechen können, weil sie glauben, dass sie als Frauen nicht das Recht haben sich zu wehren. Der Besuch dort hat mich sehr angerührt und ich hoffe, dass ich dort mitarbeiten kann, weil ich glaube, dass der CVJM dort eine sehr wertvolle Arbeit macht.
Es gibt auch noch andere tolle Projekte, die wir in den letzten Tagen kennengelernt haben, wie zum Beispiel die Arbeit des CVJMs im „Centro“ Limas , einem eher armen und ziemlich kriminellen Stadtteil von Lima, wo sich um Kinder gekümmert wird, die auf der Straße arbeiten. Aber davon werde ich das nächste Mal erzählen, weil ihr sonst noch 10 Seiten mehr lesen dürft und das dann vielleicht doch ziemlich viel auf einmal wird:)
Vorgestern hab ich meine Gastfamilie kennengelernt, bei der ich auf jeden Fall bis Januar wohnen werde, je nachdem ob ich dann in Lima bleibe oder zu einem der anderen Projekte in Arequipa oder Trujilio wechsle. Ich bin total glücklich so ne tolle Familie abbekommen zu haben, mein Gastpapa Dante ist supernett, meine Gastmama ist genauso Tee-süchtig wie ich und wir haben drei Katzen:) Auch meine beiden Gastschwestern scheinen voll in Ordnung zu sein, bin mal gespannt, wie sich das alles entwickelt:)

Ein weiteres Highlight war, als wir letzte Woche bei einem WM-Qualifikationsspiel zwischen Peru und Uruguay dabei waren und so hautnah die heißblütige Mentalität:) der Peruaner miterleben durften. Peru hat zum Glück gewonnen und sind wir mit jede Menge begeisterter Peruaner auf unseren Plätzen auf und ab hüpfen:) Alles in allem ein seehr cooles Erlebnis.

Also wie gesagt, es geht mir hier eigentlich richtig gut, ich hoffe mein Magen gewöhnt sich irgendwann an die neuen Umstände hier und ich hoffe, dass ich mit meinem Spanisch nicht absolut untergehe, wenn demnächst die Arbeit anfängt:)

Ich wollte mich nochmal für die ganzen lieben Abschiedsworte und –geschenke bedanken, es ist toll zu wissen, dass ihr an mich denkt und/ oder für mich betet. Ihr sollt wissen, dass ich oft an euch denke und mich immer freue zu hören, wie es euch geht.
Diejenigen von euch die wollen, können gerne dafür beten, dass ich mich hier gut eingewöhne, das mein Magen sich irgendwann einkriegt:) und natürlich auch für die Stadt und die Arbeit hier. Hier springt einem quasi die Armut ins Gesicht und es ist wirklich noch viel Veränderung nötig.

Also das war erstmal ein erster Eindruck von meinem neuen Leben auf dem anderen Kontinent:) ich werde versuchen mich demnächst ein bisschen kürzer zu fassen, damit ihr, keine 2 Stunden zum lesen braucht:)

Alles liebe und fühlt euch umarmt

un abrazo

Sarah